Dinosaurier mit Handicap

“Lächerlich”, kommentiert mein Vater das Skelett des haushohen Sauriers vor uns. Jene Lebewesen, die vor Millionen Jahren die Erde regierten, “Ja wer’s glaubt…” Er dreht  sich verschwörerisch zu mir um, als müsste eigentlich jeder den faulen Zauber sofort erkennen. Ich weiß nur nicht so recht, welchen.

“Da haben wir’s!” Mein Vater zeigt mit Nachdruck auf einen Archaeopteryx, angeblich der schlagende Beweis seiner Theorie: Während bei dem nachgebauten 3D Model des Urvogels alles in Form gebracht ist und die Farbenpracht des Gefieders nur so strahlt, weisen die versteinerten Gliedmassen des Fossils in alle Himmelsrichtungen: Füße sind komplett verdreht, Köpfe in Richtung Nacken geworfen, Rippen durcheinandergewürfelt. Mein Vater ist überzeugt: Diese versteinerten Exponate zeigen die wahre Gestalt, denn in Wirklichkeit waren der Archaeopteryx, genauso wie der Allosaurus und der Tyrannosaurus Rex körperlich hochgradig behindert. „Aber doch nur durch unsere menschliche Brille!“ Meinem Vater zufolge brauchte es dann auch keinen Vulkanausbruch oder Kometeneinschlag mehr, denn die Riesenechsen hatten bereits Schwierigkeiten mit dem sicheren Stand. „Aber da spricht natürlich keiner drüber!“ Ja wieso eigentlich nicht? So direkt kann ich dem nichts entgegen setzen.

(erschienen im Eulenspiegel 6/19)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0