Cholesterin-SPIEGEL-TV

Schaut man spätabends noch fern, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass einem »Spiegel TV« die Abgründe Deutschlands vor Augen hält. Wöchentlich rotieren hier die Themen Rockerbanden, Neo-Nazis und Clan-Kriminalität, die vom Zuschauer dann mit einem »Sowas hätt’s früher nicht gegeben« oder speziell bei Araber-Clans mit »Ne, was haben wir uns da eigentlich ins Land geholt« kommentiert werden dürfen. Um auf der sicheren Seite zu stehen, sagt meine Omi beides. Dabei eint das thematische Trio Rocker/Nazis/Clans zumindest optisch mehr, als sie unterscheidet: Der stark untersetzte, fast bildfüllende Auftritt.

Experten wissen: Die pummelige Erscheinung ist kein Zufall, sondern Kalkül. Kommt es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung, trifft ein möglicher Kugelhagel nicht auf lebenswichtige Organe, die Kugeln bleiben im Schwabbel einfach stecken. Die Bleikugeln in phlegmatischer Manier zu absorbieren ist so einfach wie effektiv. Sogar kleinere Druckwellen von selbstgebauten Sprengsätzen kann der überhängende Wulst einfach abfedern, während Angriffe durch Hieb und Stichwaffen angeblich sogar gut fürs Bindegewebe sind.

Clanchef Arafat Abou-Chacker trifft man nicht mit blauen Lippen am Schwimmbadrand mit großem Zeh die Wassertemperatur testend. Von kleinauf springt er schwächeren Badegästen auf den Kopf. Verschiedene Neo-Nazi Gruppierungen vertilgen Pommes in Mayo, und der Motorradclub »Mongols« trifft sich eigener Aussagen zufolge täglich zum obligatorischen Eisbeinessen und rettet so Leben, auch wenn es nur das eigene ist. Ziel der stark adipösen Vereinigungen ist die totale Verfettung.

Wer aufgrund eines schnellen Stoffwechsels dem enormen Gewichtsdruck nicht standhalten kann, wird schnell als Außenseiter gebrandmarkt. Im schlimmsten Fall werden die Betroffenen sogar in die Legalität gezwungen.

(erschienen im Eulenspiegel 05/19)

 

 

 

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